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Challenge Roth: Ein Rennen der anderen Art

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt … So oder so ähnlich lässt sich mein 12. Langdistanzrennen wohl kurz und bündig zusammenfassen.

Am Freitag vor dem Rennen bin ich nach Roth gereist, und kaum in Roth angekommen war auch schon die spezielle Stimmung vor Ort zu spüren. Übrigens mit Abstand die Beste, die die Triathlonwelt zu bieten hat.

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Die Abholung der Startunterlagen lief reibungslos, anschliessend ging es ins Hotel um pünktlich zur Pasta-Party wieder vor Ort zu sein. Zu Essen gab es unter anderem das hier:

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und zwar reichlich und viel und noch mehr …  einfach lecker …

Am Samstag standen die letzen Vorbereitungen an, eine 30min Radfahrt mit einigen kurzen Belastungsspitzen gefolgt von einem 15min Koppellauf. Nach etwas Mittagsruhe und dem üblichen Beutelpacken und Material-Vorbereiten ging es auch schon zum Rad-Checkin. Dank meiner guten Leistung aus dem Vorjahr durfte ich erstmals in einem abgetrennten Bereich der Wechselzone mein Rad aufbauen, in dem normalerweise nur Profis Zugang bekommen. Ein kleines aber feines Dankeschön der Challenge-Organisation – vielen Dank!!!

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Ein weiterer schöner Nebeneffekt: Mehr Platz, mehr Ruhe – nur die vielen Fotografen und Presseleute waren etwas ungewohnt …
Der Wettkampftag begann wie üblich mit sehr frühem Aufstehen, dieses Mal bereits um 3 Uhr – der einzige Nachteil wenn man mit der ersten Startgruppe um 6:30 Uhr an den Start gehen darf. Nach dem Frühstück ging es direkt los zum Start, wo ich gegen 5 Uhr eintraf. Nach den letzten Vorbereitung und einigen netten Gesprächen ging es dann auch schon los.

Das Schwimmen war relativ angenehm, da ich mich notgedrungen ziemlich weit hinten aufhielt und dort nicht allzuviel los war. Leider wars auch nicht wirklich schnell, mit einer Zeit von 1:05:10h kann und will ich nicht zufrieden sein.

Mit einem schnellen Wechsel ging es dann aufs Rad. Nach 2km verlor ich wie üblich meine Wasserflasche bei der Schleuse, was allerdings kein grosses Problem war. Und nach weiteren 8km war das Rennen dann vom Prinzip her vorbei – Plattfuss vorne … Spätestens da wusste ich, dass eine Sub9 unmöglich sein wird, dafür hätte alles perfekt laufen müssen. Dementsprechend habe ich den Schlauch in aller Ruhe gewechselt, insgesamt 8min gingen dadurch verloren. Wieder auf dem Rad war ich in einem Niemandsland, vor und hinter mir war nix los – nur ab und an waren andere Teilnehmer zu sehen. Meine Laune war auf dem Tiefpunkt angelangt und ich habe bis zum Solarer Berg überlegt, was und wie und ob ich weitermachen soll. Meine gesteckten Ziele konnte ich nicht mehr erreichen, und im Hinblick auf die Weltmeisterschaft auf Hawaii wäre ein DNF mit Sicherheit die beste aller möglichen Optionen gewesen.

Nun ja, dann kam Solar und meine Laune wurde schlagartig besser und mir war wieder klar, was und warum ich das hier mache und warum Aufgeben keine vernünftige Option ist. Man weiss ja inzwischen, was da auf einen zukommen wird – trotzdem ist es jedes Mal wieder eine Überraschung. Und zur Belohnung hatte ich dieses Mal den “Berg” für mich komplett alleine, weder vor noch hinter mir war jemand – und die ganzen Zuschauer schreien nur für dich, nur für dich und nur für dich, einfach nur geil!!!

Der Rest des Radfahrens verlief relativ problem- und ereignislos, mal abgesehen von ein paar gefährlichen Überholvorgängen einiger Staffelradfahrer. Jungs, ihr solltet erstens Radfahren lernen und zweitens auf andere achten!

04:55:52h war die Radzeit, in Anbetracht der 8min Pannen-Pause und den folgenden 170km mit 90%-Gas nicht so schlecht.

In der zweiten Wechselzone angekommen musste ich mich trotzdem nochmal bei den vielen netten Helfern rückversichern, ob Weitermachen die richtige Entscheidung ist. Da die Abstimmung ziemlich eindeutig ausgefallen ist ging es weiter. Nicht im eigentlich geplanten Tempo, sondern in lockerem Trainingstempo. Nach ca. 7km bin ich auf meinem Kumpel Tobi aufgelaufen, der zu diesem Zeitpunkt ca. 20-30 sek. pro KM langsamer unterwegs war als ich. Da wir es dieses Jahr nicht geschafft hatten, auch nur eine einzige Trainingseinheit gemeinsam zu absolvieren, fand ich die Idee nicht schlecht, ihn eine Weile zu begleiten und mich mit ihm zu unterhalten, Getränke und Schwämme zu reichen usw. Marathon-Helfer sozusagen …. Schön war´s, danke dass ich das machen durfte und nicht weggeschickt wurde!

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Für mich war das eine ganz neue Erfahrung, dadurch habe ich das Rennen viel intensiver wahrgenommen als jemals zuvor. Man ist nicht mehr in einem Tunnel, in dem man relativ wenig mitbekommt und nur fixiert auf Trinken und Essen ist. Dafür hat man Zeit, sich mit den Helfern zu unterhalten, sich in aller Ruhe durchs Büffett zu Essen, die Stimmung und Atmosphäre so richtig zu geniessen. Einfach wunderbar …

Irgendwann 11km später wurde mir das Tempo aber zu langsam und zu anstrengend, daher entschloss ich mich wieder mein eigenes lockeres Trainingstempo weiterzulaufen und verabschiedete mich nach vorne.

Der Rest ist dann schnell erzählt, ich konnte mich noch um viele Positionen nach vorne arbeiten und lief nach einem 03:16:33h-Marathon über die Ziellinie. Ja, mir ist bewusst dass mich einige für diese Zeit am liebsten steinigen würden, vor allem nach der Geschichte … sorry …

Die Gesamtzeit betrug 09:20:47h, gleichbedeutend mit Platz 51 gesamt und Platz 6 in meiner AK. Schön zu wissen, dass es immerhin zu Platz 3 bei der deutschen Meisterschaft gereicht hat. Noch schöner zu wissen, dass ich diese ohne den Platten und mit dem gleichen lockeren Rennen gewonnen hätte; und am schönsten zu wissen, dass ich diese mit einem richtigen Rennen mehr als deutlich gewonnen hätte … Im Nachhinein ist das der einzige Wermutstropfen, trotzdem würde ich das Rennen wieder genauso machen.

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Bleiben noch die vermutlich schönsten Stunden nach dem Rennen, die späten Zieleinläufe und die Finishline-Party. Da das mit Worten nicht auszudrücken ist habe ich es auf Video festgehalten. Viel Spass beim Schauen.

 

Impressionen vom Zieleinlauf:

 
Finishline Party:

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